Lessons learned

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Aktueller: Andreas Klinger im Gap über Lessons Learned

Gemeinschaftlicher Artikel von 2009

  1. Österreich
    Könnte das nächste Facebook oder Twitter aus Österreich kommen? Ist das überhaupt möglich?
    Ja! Auch von hier aus kann man auf dem internationalen Markt mitmischen, wenn man seine Ziele hoch genug steckt -- manche sagen gar man muss das tun, da der heimische Markt einfach nicht groß genug ist. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass man durch das fehlende unterstützende Ökosystem, speziell durch den Mangel an Investoren benachteiligt ist. Spätestens zur ernsthaften Investorensuche sollte man auch über die Grenze hinaussehen (nach Berlin, London, und ins Silicon Valley) -- es muss ja nicht gleich das ganze Team dauerhaft übersiedeln...
  2. Team
    Ein Großteil des Erfolgs hängt vom Team ab. Jedes der Gründungsmitglieder muss zwangsläufig in viele verschiedene Rollen schlüpfen können -- Allrounder (vom programmierenden Designer zum Betriebswirt mit HTML-Kenntnissen) sind hier mehr gefragt als Spezialisten. Es ist auch enorm wichtig, dass die Menschen im Gründungsteam gut miteinander auskommen und kompatible, erprobte Arbeitsweisen haben. So unrealistisch sie erscheinen mag, sollte man von Anfang an für die Eventualität planen, dass jemand vorzeitig aussteigt: Es ist nichts schlimmer als die Motivation zu verlieren, weil die Hälfte des Unternehmens nun jemandem gehört, der nicht mehr aktiv beteiligt ist.
  3. Vision
    Die Vision als Leitfaden muss von allen Gründern geteilt werden -- an der Vision und der längerfristigen Strategie sollte auch regelmäßig aktiv gearbeitet werden um den Fokus nicht zu verlieren. Gerade wenn die Motivation einmal nachlässt, sich die aktuellen Rahmenbedingungen als feindlich erweisen oder die Finanzierung länger dauert braucht man diese um nicht in Depressionen zu verfallen.
  4. Entwicklung
    Man sollte so bald wie möglich mit einer Minimalversion (Prototyp/Beta) online gehen um Feedback von ersten Nutzern zu sammeln. Perfektionismus ist da fehl am Platz -- aus den ersten Erfahrungen mit echten Benutzern und Kunden ergeben sich die besten Ideen.
    Nur, weil ein Feature verlockend einfach umzusetzen ist, ist die Umsetzung nicht unbedingt zielführend. Einzelne Features können die Wahrnehmung des Projektes bei den potentiellen Benutzer/innen stark verändern.
  5. Business Plan
    Wer einen Preis für den schönsten Businessplan will, ist bei einem Startup falsch aufgehoben: Ein ausformulierter 20-Seiter mit frei erfundenen Zahlen ist den Zeitaufwand nicht wert. Eine 10-seitige Präsentation sollte stattdessen die Kernthemen eines Unternehmens zusammenfassen: (1) Welches Kundenproblem wird gelöst, (2) wie sieht die Lösung aus, (3) wie verdient man damit Geld, (4) was ist das besondere am Produkt, (5) was ist der Markt und wie verkauft man, (6) wer sind die Mitbewerber, (7) wer ist das Management Team, (8) wie ist die Umsatz- und Kostenplanung und (9) was ist der aktuelle Status, bisherige Erfolge, Zeitline und Verwendungszwecke des benötigten Geldes. Klingt einfacher als es ist, zwingt aber zu klaren Herausarbeitung der Startup-Idee.
  6. Finanzierung
    Damit man sich ganz auf die Produktentwicklung konzentrieren kann, sollte Startfinanzierung arrangiert werden -- ein Startup zusätzlich zum Brotjob zu führen ist fast nicht machbar.
    In Österreich sind Förderungen die verfügbarste Form: "Impulse" (impulsprogramm.at) oder "Departure" in Wien (departure.at) leisten je nach Programm für Multimediaprojekte einen Zuschuss von bis zu 70% der Projektkosten. Für Hochtechnologie- oder forschungsintensive Projekte gibt es Förderungen von www.preseed.at oder ffg.at. Auch wenn's klappt, vergeht zwischen Antrag und Überweisung allerdings schnell mal ein halbes Jahr.
    Internationale Startup Competitions wie "Seedcamp" (seedcamp.com) können helfen, Kontakte zu Business Angels (Privatinvestoren, oft selbst erfolgreiche Gründer) und Venture-Kapital (institutionelle Investoren) zu knüpfen, die hierzulande rar sind.
  7. Wachstum
    "If you build it, they will come"? Nur die wenigsten Projekte erfüllen die Idealvorstellung vom viralen, exponentiellen Wachstum, das erreicht wird wenn jeder Nutzer motiviert ist, mindestens einen Freund vom Produkt zu überzeugen. Dazu muss die Motivationslage gut durchdacht sein (Welchen Vorteil zieht er aus der Weiterempfehlung? Wie kann man das Interesse des Eingeladenen erhöhen?). Anderfalls wird ein klarer Marketing-Plan benötigt: Wie krieg ich mein Projekt systematisch unter die Leute?
    Falls auf der Plattform interessante Daten wie etwa Kundenrezensionen gesammelt werden bzw. entstehen, ist die Suchmaschinenoptimierung ein überaus wichtiges Werkzeug zur Generierung von Traffic.
    Vernachlässigbar ist in vielen Fällen der Einfluss von Medienberichten -- da ist eine persönliche Empfehlung eines Bloggers weitaus effektiver.
    Mit Methoden wie A/B-Tests ("Welche Variante eines Elements bzw. einer Seite funktioniert besser?") kann man schließlich jeden einzelnen Aspekt des Produkts iterativ optimieren.
  8. Nicht unterkriegen lassen
    In einem Startup erlebt man regelmäßig Höhen und Tiefen, Euphorie und Existenzängste können sich im Tagesrythmus abwechseln. Startups sterben selten an äußeren Einflüssen, sondern wenn die Gründer demotiviert aufgeben. Daher ist es wichtig, die Motivation immer wieder von Neuem aufzubauen.
    Ein Startup zu gründen bedeutet Risiko: Zwischen Erfolg und Resignation gibt es relativ wenig, es sei denn man gibt sich mit Mittelmäßigkeit zufrieden -- eine Eigenschaft, die ein Entrepreneur nicht mitbringen sollte. Daher muss man auch den Mut haben, Misserfolge einzugestehen, um damit auch geistig befreit das nächste Projekt starten zu können. Jemand der gescheitert ist hat nicht versagt, sondern wichtige Erfahrungen gemacht -- eine Sichtweise, die in (Mittel)europa leider noch nicht allzu weit verbreitet ist.


Dieser Artikel entstand kollaborativ auf startupwiki.at unter Mitwirkung der Startups Soup.io, Tupalo, Tripwolf, TunesBag und von Hannes A. Schwetz.

Auf StartupWiki.at findet man ein Verzeichnis von heimischen Startups (von denen viele gerne mit Tipps und Kontakten weiterhelfen), sowie eine Wissenssammlung rund um das Thema.

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